Fokus auf mehr Nachhaltigkeit

 

Verpackungsspezialisten SEALPAC und VG Nicolaus – in Kooperation zu FlatSkin®


Oldenburg, August 2018

Was lässt sich die Verpackungsbranche einfallen, um schonender mit Ressourcen umzugehen und gleichzeitig der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken? Wir sprachen darüber mit Stefan Dangel, Marketing- und Vertriebsleitung der SEALPAC GmbH und Manfred Grupp, Vertriebsleiter bei VG Nicolaus GmbH & Co. KG, Anbieter von Faltschachtellösungen zur Verpackung von Produkten aller Art inklusive Kaschierung von Kartonverpackungen. Die beiden Verpackungsspezialistenhaben mit FlatSkin® eine Lösung entwickelt, die eine Antwort auf diesen Anuga-Schwerpunkt gibt. 

 

Auf welche aktuellen Branchentrends müssen sich Verpackungsspezialisten wie SEALPAC und VG Nicolaus aktuell einstellen?

 

Stefan Dangel: In unserem Kundenkreis können wir mehrere wichtige Trends ausmachen. Aber über allem steht ein Megatrend: die optimierte Haltbarkeit. Alles, was die Lebensmittelverschwendung durch Verderb und damit die Abschriften reduziert, steht hoch im Kurs. Hier ist die Verpackungsbranche gefordert. Zum Beispiel im Convenience-Bereich, der weiterhin wächst. Konsumenten wünschen Frische und beste Qualität ohne Geschmackskompromisse. Ein weiterer Trend geht hin zu Bio- oder Tierwohl-Produkten, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Naturbelassenheit, also der Vermeidung oder dem besonders sparsamen Einsatz von Zusatzstoffen.Der Grill-Trend setzt sich außerdem weiter fort. Hier wird die Produktauswahl immer vielfältiger und hochwertiger. Da muss auch die Qualität der Verpackungen entsprechend mithalten. 


Manfred Grupp: Wir erleben einerseits den Wunsch derEndkunden nach noch mehr Convenience. Gleichzeitig sollen Verpackungen nachhaltiger und umweltfreundlicher sein. Diese beiden Wünsche gilt es zu vereinen. Denn mehr Bequemlichkeit darf nicht zum Nachteil für die Umwelt sein. Die Meldung, dass der asiatische Markt zukünftig keine Altkunststoffe mehr annimmt, hat das Thema Nachhaltigkeit noch weiter in den Fokus der Branche gerückt. Wir erleben eine verstärkte Diskussion über Biokunststoffe und bioabbaubare Verpackungsmaterialien. Hier gab es zwar Lösungsvorschläge, doch mittlerweile hat sich herausgestellt, dass biologisch abbaubare Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rochstoffen hergestellt werden, insgesamt keinen ökologischen Vorteil erbringen, wenn man ihren gesamten Lebensweg von der Herstellung bis zur Entsorgung betrachtet. Es sind also in Bezug auf mehr Nachhaltigkeit neue Wege gefragt. 

 

Sie haben gemeinsam an einer Lösung gearbeitet, die viele dieser verschiedenen Branchentrends abdeckt ...

Stefan Dangel: Gerade in jüngster Zeit ist verstärkt die Frage an unser Haus herangetragen worden, was denn nach der nunmehr 20 Jahre erfolgreichen MAP-Verpackung an Neuigkeiten zu erwarten ist. Wir haben eine Antwort auf diese verschiedenen eben beschriebenen Trends und Anforderungen gesucht undmit etablierten Herstellern Kontakt aufgenommen, darunter auch VG Nicolaus aus Kempten im Allgäu. Hier haben wir gemeinsam in kurzer Zeit eine innovative, produktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt.

... und das Ergebnis Ihrer Kooperation? 

Stefan Dangel: heißt FlatSkin®Dieses Verfahren vereint alle Vorteile des Skinnens, u. a. eine verlängerte Haltbarkeit sowie eine besonders attraktive Produktpräsentation Gleichzeitig verringert es den Materialeinsatz und verbessert die Recyclingfähigkeit.Eine hochtransparente Barrierefolie skinnt das Produkt, z. B. ein Stück Fleisch, direkt auf einen extrem flachen Produktträger aus Karton, der mit einer polymären Schutzschicht kaschiert ist.

Manfred Grupp: Der Produktträger ist aus gebleichtem oder ungebleichtem Frischfaserkarton – ein Material, das z. B. auch im TK-Bereich eingesetzt wird. Er erhält eine Kaschierung, die einerseits den Kartonträger stabilisiert und andererseits eine zuverlässige Barriere gegen Fett, Wasser und Sauerstoff bildet. Denn Faserstoffe nehmen Feuchtigkeit auf, wenn sie in Kühlregal liegen, und können sich dann verbiegen. Um das zu verhindern, erhält auch die Rückseite des Trägermaterials eine Spezialbehandlung gegen Feuchtigkeitseintritt. 


Stefan Dangel: Mit der FlatSkin®-Verpackung können wir die Haltbarkeit im Vergleich zu MAP-Verpackungen fast immer deutlich verlängern und erzielen ein MHD, die mit gewohnten TraySkin®-Verpackungen vergleichbar ist. Das bringt dem Handel den Vorteil, dass er diese Produkte über zwei verkaufsstarke Phasen, also möglichst zwei Wochenenden, anbieten kann.Durch ihre attraktive Optik sind die FlatSkin®-Verpackungen gerade für hochwertige Produkte eine passende Lösung. Sie lassen sich aufrecht stehend oder hängend am POS präsentieren. Der flache Produktträger und die eng anliegende Skin-Folien bringen den Inhalt der Verpackung besonders gut zur Geltung.Abgerundet wird dies durch die flexible und gute Bedruckbarkeit des Kartons, der dieses Produkt somit optisch hervorstechen lässt. 

 

Wie kann diese Verpackung in Bezug auf mehr Nachhaltigkeit punkten?

Stefan Dangel: Nach der Produktentnahme lässt sich die dünne Kunststoffbeschichtung durch den inkludierten Recyclingschnitt einfach mit einer Peellasche vom Karton abziehen und getrennt entsorgen. Zurück bleiben zwei dünne Schichten Verbundfolie und der Kartonbasisträger der über das Altpapier im Haushalt entsorgt wird. 


Manfred Grupp: Mit dieser Verpackungslösung können wir den Kunststoffeinsatz um bis zu 75 Prozent reduzieren, denn die Stärke der Folie beträgt nur etwa 50-60 my. Das macht sich nicht nur in Materialkosten, sondern auch bei der DSD-Abrechnung bemerkbar. Die Entsorgungsgebühren für den Handel sinken signifikant. Und nicht zuletzt: Die Verpackung ermöglicht das Trennen und die separate Entsorgung von Kunststoff und Kartonträger. Damit haben sowohl Hersteller als auch Verbraucher das gute Gefühl, zu mehr Nachhaltigkeit beigetragen zu haben.


Stefan Dangel: Es gibt noch weiteres Einsparpotenzial. Denn FlatSkin®-Verpackungenbenötigen den sonst bei Skin-Lösungen eingesetzten Karton-Schuber nicht mehr. Der flache Produktträger lässt sich gut bedrucken, bietet viel Raum für Produktinformationen und lässt sich hervorragend für Branding-Zwecke einsetzen. Damit entfällt der Schuber und der damit verbundene Konfektionierungsprozess, der zudem kostenintensiv ist.

 

Manfred Grupp: Wir verwenden für die Bedruckung Low Migration-Colours, die besten Farben am Markt für Lebensmittelverpackungen, die auch für Kartonverpackungen von TK-Lebensmittel eingesetzt werden. Um unseren Kunden höchste Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten, hat VG Nicolaus übrigens die gesamte Fabrik auf diese Farben umgestellt, sodass eine Verschleppung innerhalbe des Betriebes ausgeschlossen werden kann.

 

Welche Formen und Größen lassen sich mit FlatSkin®realisieren?

Manfred Grupp: In Form und Größe des Produktträgers hat der Anwender ein breites Spektrum an Möglichkeiten und kann ganz individuelle Ideen umsetzen, denn der Karton lässt sich in Form und Design gut gestalten. Neue Formen und Größen entwickeln wir in enger Abstimmung mit SEALPAC.

 

Stefan Dangel: Das ist wichtig, denn die Bandlauffähigkeit auf den A-Serien-Maschinen muss gegeben sein. Auf der Anuga FoodTec zeigen wir das neue FlatSkin®-Verfahren auf einem SEALPAC A7 Traysealer inklusive Entstapelungsautomat. Grundsätzlich lässt sich das Verfahren auf allen vorbereiteten SEALPAC Traysealern der A-Serie anwenden. Die Maschinen sind aber auch für andere Anwendungen geeignet und können ebenso für TraySkin®- oder Standard-MAP-Verpackungen eingesetzt werden.


Und für welche Produkte eignet sich FlatSkin®?

Stefan Dangel: FlatSkin®ist ein echter Eyecatcher im Kühlregal. Deshalb empfehlen wir das Verfahren für qualitativ hochwertige Produkte oder besondere Angebotsformen wie Bio, die sich damit besonders hervorheben lassen. Der extrem flache Produktträger und die eng anliegende Skin-Folie verleihen z. B. einem Steak einen wesentlich wuchtigeren Eindruck. 

Unter welchen Bedingungen entwickeln Sie Verpackungsinnovationen wie FlatSkin®?

Stefan Dangel: Wir verfügen an unserem Stammsitz über ein Experience Center, das erstklassig ausgerüstet und komplett klimatisiert ist. Damit haben wir eine optimale Basis geschaffen, um neue Verpackungslösungen zu kreieren und die vollautomatische Produktion unter realen Bedingungen zu testen. So lässt sich schon in der Entwicklungsphase feststellen, ob eine Produktinnovation realisierbar ist oder nachgebessert werden muss. Das erhöht die Chance auf eine erfolgreiche Markteinführung. Wir entwickeln hier eigenständig, in Kooperation mit unterschiedlichen Partnern oder ganz speziell auf Kundenwunsch immer wieder neue, innovative Verpackungskonzepte. 

 

Manfred Grupp: Die Van Genechten Gruppe verfügt gleich über drei Innovationszentren, die ein Netzwerk bilden. In engem Austausch fließen hier umfassende Kenntnisse der Märkte, Techniken und Materialien zusammen, damit am Ende solide, für die Massenproduktion geeignete Lösungen entstehen. In enger partnerschaftlicher Zusammenarbeit und mit gebündeltem Know-how sind wir mit Sealpac zur FlatSkin®-Lösung gelangt, der wir viel Potenzial einräumen – gerade in Zeiten der intensiveren Beschäftigung der Branche mit mehr Nachhaltigkeit.


Würden Sie abschließend sagen, dass FlatSkin®langsam das Ende der Kunststoffverpackung einläutet?

Stefan Dangel: Nein, überhaupt nicht! Denn bei der gesamten Diskussion sollten wir nicht vergessen: Die nachhaltigste Eigenschaft einer Verpackung ist immer noch ihre Schutzfunktion.Sie schützt Lebensmittel beim Transport und bei der Lagerung und vor dem schnellen Verderb – und trägt damit zum sorgsameren Umgang mit dem wertvollen Gut Nahrungsmittel bei. Bei Lebensmitteln spielen Themen wie die erforderlichen Barrieren, die einen optimalen Produktschutz gewährleisten, eine große Rolle. Und hier führt an  Kunststoff- bzw. Kunststoffverbunde auch auf absehbare Zeit kein Weg vorbei und ist einfach nicht durch andere Materialien zu ersetzen.

 

Manfred Grupp: Deshalb vertreten wir gemeinsam als Verpackungsspezialisten die Devise: So wenig Verpackung wie möglich, aber so viel wie nötig. Das war die Prämisse, unter der wir FlatSkin®entwickelt haben.

 

 

Über VG Nicolaus

Die Van Gnechten Packaging Gruppe ist ein unabhängiger, auf seinem Gebiet führender Industriekonzern mit Hauptsitz in Belgien, elf Faltschachtelwerken in acht Ländern Europas, einem Extrusionswerk und drei Innovationszentren. Mit rund 1.600 Mitarbeitern werden hier jährlich mehr als 200.000 Tonnen Karton verarbeitet. Der Spezialist für individuelle Verpackungen und Faltschachteln unterstützt den Konsumgütermarkt mit innovativen und nachhaltigen Lösungen für Food-, Non-Food- und Premium-Produkte.

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Manfred Grupp, Vertriebsleiter bei VG Nicolaus GmbH & Co. KG