Spitzennische im Convenience-Segment: Die BARD-Metzgerei-Produkte GmbH setzt auf Qualität in Handwerk und Equipment

Der Convenience-Markt boomt. Immer raffiniertere Produkte in innovativen Verpackungen, die die Handhabung vereinfachen, drängen auf den Markt. Einer der führenden Anbieter im Convenience-Segment ist das Saarbrücker Unternehmen BARD-Metzgerei-Produkte GmbH.

Der Convenience-Markt boomt. Immer raffiniertere Produkte in innovativen Verpackungen, die die Handhabung vereinfachen, drängen auf den Markt. Einer der führenden Anbieter im Convenience-Segment ist das Saarbrücker Unternehmen BARD-Metzgerei-Produkte GmbH. Es hat sich mit halbfertigen und fertigen Produkten seine Nische erobert und ist ganz frisch mit der neuen Single Gourmet Range in den Kühlregalen vertreten. PackReport sprach mit Geschäftsführer Richard Bard und Betriebsleiter Alexander Gehlen darüber, mit welchen Konzepten man auf diesem hart umkämpften Markt besteht. Und darüber, wie sich langjährige Partnerschaften wie die mit Maschinenbau- und Verpackungsspezialist SEALPAC GmbH aus Oldenburg – vertreten durch Stefan Dangel (Marketing- und Vertriebsleitung) und Clemens Berres (Gebietsverkaufsleiter) – auch in Notsituationen bewähren. 

Herr Bard, das 160 Jahre alte Familienunternehmen war bis Ende der 90er Jahre eine traditionelle Metzgerei mit mehreren Filialen. Heute ist die BARD-Metzgerei-Produkte GmbH ein modernes Frische-Dienstleistungsunternehmen. Mit Halbfertig- und Fertigprodukten sind Sie vor allem in den Theken des Lebensmitteleinzelhandels vertreten, zunehmend aber auch mit Convenience-Produkten im SB-Kühlregal. Welches Konzept steht hinter dieser Veränderung?

Richard Bard: Unsere Metzgerei stand immer schon für traditionelle, regionale Produkte, für deren Einzigartigkeit wir hier im Umkreis bekannt waren. Neben dem Filialgeschäft haben wir seit den 90er Jahren die Gastronomie, z. B. Brauereien mit angeschlossenem Gasthaus, mit Hausmannskost, wie gefüllten Klößen, beliefert. Die großen Supermärkte im Umkreis boten jedoch an ihren Fleischtheken zunehmend gute Qualität zu einem günstigen Preis an. Uns war schnell klar, dass die Zukunft im großen Lebensmitteleinzelhandel liegt und kleine Fachgeschäfte wie wir es künftig schwer haben würden. Wir mussten uns also auf das konzentrieren, was uns einzigartig macht, was keiner besser kann. Da kristallisierten sich schnell bestimmte Artikel heraus: Unsere Kohlrouladen, Schweinefilet in Blätterteig, die Kaiserraute oder das Käsehörnchen – das alles waren Produkte, für die die Leute extra zu uns kamen. Die Idee kam auf, diese zu verpacken und damit handelsfähig zu machen.

 

Wie konnten Sie den Lebensmitteleinzelhandel überzeugen?

Richard Bard: Mit der Kohlroulade – bis heute unser absoluter Renner – ging der Convenience-Gedanke los. Ich habe die in viel Handarbeit hergestellten Produkte anfangs eigenhändig in provisorischen Schalen in Vakuum-Folie verpackt, etikettiert und einigen Handelsunternehmen vorgestellt. Die Resonanz war sehr positiv, man hat mir aber als Hausaufgabe folgende Stichworte mit auf den Weg gegeben: professionelle Laborwerte, Rückverfolgbarkeit, HACCP, professionelle Verpackung in Gastroschalen für den Bedienungsverkauf im Supermarkt, professionelle Etikettierung – und noch einiges mehr. Was die Lebensmitteltechnik und        -hygiene angeht: Hier habe ich mir Unterstützung an der Hochschule Trier, Fachrichtung Lebensmitteltechnik, geholt.

Stefan Dangel: In Sachen Verpackung kamen die Firma BARD und SEALPAC auf der IFFA 1998 wieder zusammen. Das war der Startschuss unserer inzwischen Jahrzehnte währenden vertrauensvollen Partnerschaft. Die ersten Gehversuche waren im wahrsten Sinne des Wortes Teamwork. Herr Bard rollte die Kohlrouladen und ich verpackte sie mit einem SEALPAC-Halbautomaten und einigermaßen passendem Siegelwerkzeug. So haben wir beide, quasi zwischen Blut- und Leberwurst, die ersten Verpackungstests unter Schutzatmosphäre durchgeführt.

Richard Bard: Dank professioneller neuer Bard-Verpackung fingen die großen Handelsketten an, sich für unsere Produkte zu interessieren und haben uns als Spezialitäten-Partner aufgenommen. Wir stießen jedoch schnell an unsere Kapazitätsgrenzen und mussten über unsere generelle Marktausrichtung nachdenken. Schließlich haben wir uns schweren Herzens vom Metzgereieinzelhandel getrennt, um uns ganz auf halbfertige und fertige Produkte für den LEH zu konzentrieren.

Was ist das Besondere an Ihren Halbfertig- und Fertigprodukten?

Alexander Gehlen: Unsere Produkte werden immer noch in Handwerksqualität gefertigt und lassen sich in vielen Produktionsschritten nicht automatisieren. Für unseren Top-Seller, die frische halbfertige Kohlroulade, müssen beispielsweise die Kohlblätter blanchiert, einzeln entnommen, sortiert, heruntergekühlt und gewickelt werden. Das bedeutet, wir arbeiten in etwa mit der doppelten Personalstärke, verglichen mit einem normalen Fleischindustriebetrieb.

Seit der Herbst-/Winter-Saison sind Sie mit den neuen BARD’s Single Gourmet Menüs in den Kühlregalen. Wie haben Sie sich hier positioniert?

Richard Bard: Unsere neue BARD’s Single Gourmet-Range richtet sich an Verbraucher, die schnell und unkompliziert ein gutes Essen genießen wollen. Solche Produkte werden nicht von Familien gekauft, sondern von Leuten, die z. B. in der Mittagspause, in der jede Minute kostbar ist, oder abends nach der Arbeit schnell ein verzehrfertiges, leckeres Menü haben möchten. Diese Zielgruppe ist anspruchsvoll und muss neben dem convenienten Handling durch besten Geschmack überzeugt werden. Dann ist sie auch bereit, einen angemessenen Preis für diese Produkte zu bezahlen.

Unsere neue BARD’s Single Gourmet-Range besteht aus neun verschiedenen Fertiggerichten in Single-Portionen – darunter natürlich die Kohlroulade in Specksoße, aber auch die klassische Rinderroulade oder der Gemüseburger in Champignon-Rahmsoße. Wir bieten diese Produkte in einer versiegelten Schale mit einem vierfarbig bedruckten Pappschuber mit Sichtfenster an. Die hochwertige Optik unterstreicht unseren Qualitätsanspruch.

Alexander Gehlen: Das Besondere daran: Wir verwenden dafür eine airPET® Touch-Verpackungsschale der Firma Silverplastics. Die Schalen eignen sich zur Pasteurisation und Sterilisation, sind extrem leicht und hitzebeständig. Das macht das Handling noch einfacher: Unsere Menüs können ohne Entnahme direkt in der Verpackung bei bis zu 200°C im Backofen oder in der Mikrowelle erhitzt werden. Dabei wird die Schale nicht so heiß und lässt sich bereits kurz nach Öffnung des Ofens anfassen, ohne Verletzungsgefahr durch zu heiße Verpackungen.

Clemens Berres: Die Versiegelung der extrem leichten Schalen wird von den SEALPAC Traysealern problemlos und absolut zuverlässig durchgeführt. Obwohl die Siegelwerkzeuge nicht für diese neue Materialart konzipiert waren, funktionierten diese vom ersten Tag an ohne jegliche Probleme.

Richard Bard: Wir verpacken übrigens ausschließlich mit Traysealern, weil das Verfahren die hohe handwerkliche Qualität unserer Produkte entsprechend präsentiert. Natürlich könnten wir auch Schlauch- oder Tiefziehbeutel für bestimmte Produkte einsetzen – das ist günstiger, aber aus meiner Sicht ist die Optik dem Inhalt nicht angemessen. Ich lehne übrigens für unsere Produkte beispielsweise Verpackungen ab, an deren Rändern Folienreste überstehen. SEALPAC spricht dabei meines Wissens nach vom InsideCut-Konturenschnitt. Wir nutzen diese qualitativ hochwertige Präsentationsform bereits seit der ersten Schale im Jahre 1998.

Stefan Dangel: Überstehende Folienreste gehören heute oftmals noch zur Standardlösung im Segment Traysealer. Um das zu verhindern, ist die technische Auslegung der Siegelwerkzeuge entscheidend. Dafür haben wir, wie eben schon erwähnt, den InsideCut-Konturenschnitt entwickelt, bei dem die Oberfolie innerhalb der Schalenkontur sauber geschnitten wird. Unterstützt durch das Know-how unserer Techniker und Ingenieure haben wir in Sachen Prozesssicherheit an diesem Punkt immer noch einen erheblichen Marktvorsprung. Herr Bard war da von Anfang an mit uns auf einer Wellenlänge: Wer seine Produkte im Spitzensegment positioniert und den entsprechenden Preis dafür verlangt, muss dies auch durch die Verpackungsoptik vermitteln.

Vor etwa fünf Jahren gab es einen herben Rückschlag für das Unternehmen Bard, der auch das Ende hätte bedeuten können ...

Richard Bard: Ja, das war eine besondere Herausforderung: Ein Brand in der Halloween-Nacht 2011 hat eine unserer beiden Produktionshallen komplett vernichtet. Wir hatten uns gerade über ein gutes Vorgeschäft gefreut und standen vom einen auf den anderen Tag vor dem Nichts: kein Büro, keine Maschinen, keine Kühlung, nichts …

Was kann man tun, um bei einem solchen Unglücksfall nicht in Existenznot zu geraten?

Richard Bard: Uns war sofort klar: Wir müssen so schnell wie möglich wieder produzieren, denn unsere Kunden brauchen die Ware und orientieren sich sonst um. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, sofort wieder arbeitsfähig zu werden. In einem solchen Fall bewähren sich gute Partnerschaften.

Alexander Gehlen: Das Dringendste war jedoch, schnell zu neuen Anlagen zu gelangen. Unsere bewährten Partner haben uns bestmöglich unterstützt. Über SEALPAC sind wir in Rekordzeit an erste Maschinen gekommen. Nur zwei Wochen nach dem Brand haben wir wieder begonnen, mit improvisierten Arbeitsabläufen zu produzieren. Weil wir sofort noch mehr Maschinen benötigten, hatten wir die Gelegenheit, verschiedene Anlagenanbieter parallel im praktischen Einsatz zu testen. Unser Ergebnis ist eindeutig ausgefallen ...

Richard Bard: Wir haben erst die vernichteten Anlagen ersetzt und im Rahmen der Expansion innerhalb von 18 Monaten zwei weitere ergänzt. Inzwischen sind bei uns sechs Traysealer von SEALPAC im Einsatz. Insgesamt hat die herausragende Leistung von Mitarbeitern und Partnern unsere Existenz gerettet!

Alexander Gehlen: So ein kompletter Neuanfang hatte auch sein Gutes. Er hat uns ermöglicht, Gebäude und Produktionsabläufe perfekt auf unsere Bedürfnisse abzustimmen: Das fängt bei der benötigten Tür- und Hallenhöhe an und geht über die Maschinenanschlüsse bis hin zur optimalen Linienführung.

Sie mussten einen komplett neuen Maschinenpark zusammenstellen. Welche Aspekte spielten bei der Auslegung der Anlagen eine Rolle?

Clemens Berres: Die Firma BARD ist besonders im Saisongeschäft auf hohe Maschinenleistung bei gleichzeitiger maximaler Flexibilität, was das Siegelwerkzeug und den Anlagenzugang angeht, angewiesen. Weil man sich bei BARD für die gleichen Anlagenmodelle, den besonders leistungsfähigen SEALPAC Traysealer A6, entschieden hat, konnten wir sehr zügig liefern. Mit einem einheitlichen Anlagenmodell zu arbeiten, erhöht natürlich die Flexibilität in den Arbeitsabläufen und der Verpackungsgestaltung enorm.

Alexander Gehlen: Bei uns sind jetzt 14 verschiedene Siegelwerkzeuge im Einsatz, mit denen wir in der Produktion durch das Werkzeug-Schnellwechselsystem sofort auf Kundenwünsche reagieren können. Es ist möglich, z. B. zwischen Schalentiefen zu variieren oder in der Materialauswahl schnell von Alu- zu Kunststoff- oder Standard-PP-Schalen, oder rPET-Touch umzuschwenken – und das mehr oder weniger durch einfachen Folienwechsel. Die neue automatische Packungsverstellung von SEALPAC unterstützt uns dabei, frühere Einstellfehler auf ein Minimum zu reduzieren. So lässt sich die Umrüstung der Anlagen in kürzester Zeit durchführen.

Clemens Berres: Bei den neuen Ersatzmaschinen hat sich außerdem unser neuartiges, nach oben schwenkbares und somit sehr ergonomisches Schutzhauben-Konzept der Anlagen im praktischen Einsatz bewährt. Damit sind die Maschinen sehr gut zugängig, was die Arbeit, aber auch die Reinigung vereinfacht. 

Welche weiteren spezifischen technischen Aspekte waren beim Neuaufbau des Maschinenparks wichtig?

Clemens Berres: Zu den Anforderungen zählte außerdem, dass Output und Flexibilität der Anlagen in einem optimalen Verhältnis stehen, die produzierten Verpackungen sich durch beste Folienspannung für eine perfekte Optik auszeichnen, optimale Gaswerte gewährleistet werden und eine gleichmäßige Temperaturverteilung bei der Versiegelung einen erstklassigen Peel hervorbringen mussten – und noch einiges mehr.

Stefan Dangel: Dank langjähriger enger Zusammenarbeit kannten wir bereits viele der Anforderungen. Offene Fragen haben wir im Team gelöst. Diese lange Anforderungsliste konnten wir mit dem Traysealer A6 erfüllen. Hier haben wir natürlich noch einige Detailoptimierungen vorgenommen.

Richard Bard: Fazit des Unglücks ist, dass wir Glück im Unglück hatten: Der komplette Neuanfang hat uns ermöglicht, die Produktion perfekt auf unsere Bedürfnisse – und vor allem die unserer Kunden – auszulegen.

Mit Blick in die Zukunft: Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Richard Bard: Unsere Philosophie kann nur eine sein: Konsequent qualitativ erstklassige Produkte von bestem Geschmack zu produzieren und zum entsprechenden Preis anzubieten. Denn ich bin überzeugt davon, dass in einem großen Markt auch Platz für Spitzenprodukte ist. Der Qualitätsgedanke gilt gleichzeitig für unsere Verpackungen und das Equipment, das wir nutzen. Der Erfolg gibt uns Recht.

Stefan Dangel: Wir kennen uns seit mehr als 30 Jahren. Ich kann das nur unterstreichen: Aus meiner Sicht ist das Erfolgsrezept des Unternehmens BARD ein Dreiklang aus Tradition, stetiger Innovation und dem kompromisslosen Festhalten an der Qualitätsphilosophie.

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